Zeitschrift für Nachwuchswissenschaftler
German Journal for Young Researchers

Wissenschaftlicher Fachartikel

Eingereicht: 10.09.2009
Überarbeitet: 29.01.2010
Online publiziert: 14.02.2010
Reviewer: Markus Mohr, Josef A. Baumgartner, Wilfried Honekamp


 

Die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in Österreich
Eine Evaluierung in Bezug auf funktionale Benutzeranforderungen

A Ströher1

1 UMIT - Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Department für Human- und Wirtschaftswissenschaften

Zusammenfassung
Die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte, kurz ELGA, in Österreich ist ein seit längerer Zeit kontrovers diskutiertes Thema. Gerade in den letzten Monaten waren vermehrt Lebenszeichen der ELGA in der Presse zu finden, deren Umsetzung Teil der aktuellen Regierungsvereinbarung ist. Zudem wurden in vielen Gesprächen im Rahmen des Studiums immer wieder Vorwürfe geäußert, dass die Vorgaben seitens der Arbeitsgemeinschaft ELGA (ARGE ELGA) zu sehr techniklastig seien, während die Forderungen der einzelnen zukünftigen Benutzer nicht oder zu wenig Beachtung finden. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde erarbeitet, wie sehr sich wirklich die Vorgaben seitens der ARGE ELGA auf den Bereich Technik konzentrieren bzw. welche Benutzeranforderungen bereits definiert wurden. Im nächsten Schritt wurden mittels eines problemzentrierten Interviews verschiedene Benutzergruppen der geplanten ELGA zu deren funktionalen Benutzeranforderungen befragt. Die ausgewählten Stakeholder waren: Ärzte, Apotheker, Soziale Dienste und Vertreter von Selbsthilfeorganisationen.
Aus den durchgeführten 29 Interviews wurde im Anschluss eine Auswertung von funktionalen Benutzeranforderungen für die bislang beschriebenen Kernanwendungen der ELGA (Portal, e-Arztbrief, e-Befund Labor/Radiologie und e-Medikation) erstellt. So wurde am Vordringlichsten die Einführung einer elektronischen Medikamentenübersicht bzw. der e-Impfpass gewünscht. Aber auch die Möglichkeit zur Präsentation der Selbsthilfe im Rahmen des ELGA-Portals war ein Punkt mit hoher Zustimmung. Demgegenüber wurde der Vorschlag des Versteckens von Dokumenten bzw. der Online-Kontakt mit dem behandelnden Arzt deutlich abgelehnt. Als Ergebnis wird zusammengefasst, dass derzeit keine ausreichende Definition von funktionalen Benutzeranforderungen für die elektronische Gesundheitsakte verfügbar ist. Die aus den Interviews erarbeiteten Anforderungen stellen aufgrund des geringen Stichprobenumfangs aller Wahrscheinlichkeit nach auch nur die Spitze eines Eisberges dar.

Schlüsselwörter: Elektronische Gesundheitsakte, Funktionale Benutzeranforderung, Evaluierung, Österreich

The electronic health record (EHR) in Austria - An evaluation in terms of functional user requirements

Abstract
The introduction of an electronic health record or ELGA (abbreviated from the German "elektro-nische Gesundheitsakte") in Austria has for a long time been a hotly debated subject. Just in the last few months, ELGA, the implementation of which is part of the current government agreement, was showing increased signs of life in the press. In addition, during conversations in the course of my studies, accusations have again and again been made that the specifications from the ELGA work-ing group (ARGE ELGA) have been too focussed on technology, whilst the demands of the indi-viduals who will be using ELGA were either not or were not sufficiently taken into account. In the course of this work, the extent to which the specifications from ARGE ELGA actually concentrate on the field of technology and which user requirements were already defined were determined. In the next step, various stakeholders in the planned ELGA were asked about their functional user re-quirements by means of a problem-focussed interview. The stakeholders chosen were: doctors, pharmacists, social services and representatives from self-help groups.
A catalogue of functional user requirements for the hitherto described core applications of ELGA (Portal, e-Arztbrief [electronic doctor's letter], e-Befund Labor/Radiologie [electronic lab/radiology results] and e-Medikation [electronic medication]) was subsequently created from the 29 interviews carried out. Thus, the most urgently desired was the introduction of an electronic medicines over-view or the electronic immunisation pass, respectively, but the possibility of presenting self-help in the context of the ELGA Portal was also a point that attracted much support. In contrast, the suggestion of hiding some documents or online contact with the treating doctor was clearly rejected. It can be concluded as a result of this work that there is currently no satisfactory definition available for functional requirements for the electronic health record. The requirements prepared from the interviews also – due to the small sample size – in all likelihood represent just the tip of the iceberg.

Keywords: Electronic health record, Functional user requirements, Evaluation, Austria

Zu zitieren als:
Ströher A: Die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in Österreich - Eine Evaluierung in Bezug auf funktionale Benutzeranforderungen. Zeitschrift für Nachwuchswissenschaftler 2010/2(1)

Please cite as:
Ströher A: The electronic health record (EHR) in Austria - An evaluation in terms of functional user requirements. German Journal for Young Researchers 2010/2(1)

URL: http://www.nachwuchswissenschaftler.org/2010/1/28/

URN: urn:nbn:de:0253-2010-1-28

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